Im Jahr '03 stand als 'Urlaub' Verwandtenbesuche auf dem
Plan. Was tun? Guter Rat war gefragt.
Einerseits wollte ich nicht auf meine Strümpfe und Strumpfhosen verzichten,
andererseits war mir aber nicht ganz wohl. Beim Umgang mit fremden habe ich kein
Problem, aber die eigene Familie ...
Aber was soll's. Anfangs war es sowieso zu heiß, so dass nur
Füsslis zum Einsatz kamen, Abends dann Söckchen. Meiner Mutter gefiel es nicht
so gut, 'muss das sein, das sind doch Damenstrümpfe ...', mein Vater schaute
nur etwas ungläubig ('dumm aus der Wäsche'), sagte aber nichts.
Als es endlich etwas kühler wurde, zog ich auch schon einmal Halterlose und
Strumpfhosen an. Merkwürdigerweise sagten beide nichts, oder sie waren etwas
blind.
Erst am vorletzten Tag war es, wir saßen vormittags auf dem Balkon, bemerkte
meine Mutter meine leicht glänzenden Beine. 'Ach, du hast ja sogar eine
Strumpfhose an ...' bemerkte sie und fasste mein Bein an, 'deshalb sind auch
keine Haare zu sehen ...' usw. 'Also ich ziehe nur Strumpfhosen an, wenn es
richtig kalt ist' sagte sie. 'Was für welche kaufst Du denn?', wollte
sie wissen 'die billigen von Nur Die? Ich kaufe nur Kunert, die mit Fersen und
so ...'. Wir unterhielten uns noch einige Zeit über Strumpfhosen warum, wann
und wieso ich sie anziehe usw. Sie hatte es scheinbar akzeptiert.
Keiner sagte direkt etwas. Jeder hatte mindestens einmal die
Gelegenheit, meine feinbestrumpften Beine zu sehen.
Auf der Heimfahrt sagte mir meine Frau, meiner Schwiegermutter und Schwägerin
sei es aufgefallen, dass ich eine Strumpfhose an hatte. Natürlich ging hinter
meinem Rücken die Diskussion los, ob ich schwul oder bi sei. Meine Frau und
meine Tochter verteidigten mich, sagten, dass es mir eben gefällt, ich mich gut
auskenne usw. Der Reaktion nach gehe ich davon aus, dass es meine Schwägerin
ebenfalls akzeptiert hat, von meiner Schwiegermutter hatte ich sowieso kein
Verständnis erwartet.
Von all den anderen Brüdern, Schwägerinnen und Schwägern habe ich bis jetzt
noch keine Reaktion erfahren. Mal sehen, ob irgend wann einmal etwas kommt.
Für mich war jedenfalls wichtig, dass ich diese Situationen
einmal durchgestanden hatte, und nicht kurz vorher gekniffen habe. Denn entweder
sie akzeptieren mich mit Feinstrumpfhose oder lassen es.
Das erscheint zwar etwas egoistisch, jedoch gehört dieses Outfit zu mir. Ich
stehe dazu! Gut, vielleicht habe ich es auch etwas übertrieben. Vielleicht
wäre es auch besser gewesen, für diese paar Tage eine Pause einzulegen.
Andererseits, jetzt wissen sie es, und vielleicht habe ich ja Glück und sie
versuchen zumindest, mich zu verstehen und es zu akzeptieren.
Und nun? Der einen ist es peinlich, die anderen amüsieren sich usw. Nur gut,
dass uns 500 km voneinander trennen ...
Wenn ich trinken und rauchen würde, hätten sie
wahrscheinlich keine Probleme, aber so ...
Nach meinen bisherigen Erfahrungen hatte ich jedenfalls nicht damit gerechnet,
dass die Ablehnung und das Getuschel hinter meinem Rücken so groß ist.
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Copyright © 2003 Feinstrumpfhosen Informationen - fsh-info.de
Stand: 29. September 2003
