Männer und Strumpfhosen


Männer, die Feinstrumpfhosen tragen, sehen sich oft mit dem Problem konfrontiert, dass es sich hierbei eigentlich um Damenwäsche handelt. D.h. auf der Verpackung ist meist eine Frau abgebildet, beschrieben ist sie als Damenstrumpfhose usw. Diese feste Assoziation Strumpfhose - Frau stammt aus der Ableitung der damaligen Nylons hin zur Feinstrumpfhose. Und Nylons, dafür wäre nach dem Krieg so manche Frau bereit gewesen, 'ihre Unschuld zu geben', oder so ähnlich. D.h. Frauen und Feinstrumpfhosen gehört einfach zusammen.

Blickt man aber etwas weiter zurück in die Vergangenheit, dann waren es überwiegend die 'vornehmen' Männer, die Strumpfhosen trugen. Damals zwar noch aus Seide und anderen edlen Stoffen, denn Nylon gab es natürlich noch nicht, aber immerhin.

Daraus kann man ableiten, dass eine Strumpfhose schon seit jeher ein Kleidungsstück für Männer und Frauen gewesen ist, also ein Unisex-Kleidungsstück. Erst dadurch, dass 'moderne' Männer lieber auf Leinensäcke und Frauen lieber auf feinste Stoffe stehen, wurde diese Trennung möglich.


Unisex-Strumpfhosen


In manchen Prospekten einzelner Supermärkte werden mittlerweile auch schon einmal nur noch 'Feinstrumpfhosen' angeboten, ohne das Wort 'Damen' davor. Ob dies allerdings bewusst geschieht, weiß ich nicht. Dies ist aber immerhin schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht werden die verschiedenen Hersteller ja auch endlich wach und bieten Unisex-Feinstrumpfhosen an. Ein kleiner Schritt in diese Richtung wäre z. B. wenn zwar eine Dame abgebildet ist, aber nur noch die Aufschrift 'Feinstrumpfhose' auf der Verpackung stehen würde, evtl. noch mit einem kleinen Hinweis 'Damen-Modell auch für Herren geeignet' oder so ähnlich.

Einen Schritt weiter gegangen ist Levee mit der WoMan-Serie. Hier ist auf einer Seite eine Frau, und auf der anderen Seite ein Mann abgebildet. Hier hat man auch optisch eine Unisex-Feinstrumpfhose geschaffen. Dumm nur, dass man diese Feinstrumpfhose in fast keinem Geschäft sehen und kaufen kann.

Einen weiteren Dämpfer verpasst sich Levee auch selbst: weitere Feinstrumpfhosen werden ebenfalls mit dem Zusatz 'Damen' versehen. Dabei hatte ich gehofft, dass wenigstens hier jemand die Tendenz verstanden hat.


Herrenstrumpfhosen


Mich wundert es sehr, dass noch kein großer deutscher Hersteller wie z.B. 'Kunert' oder 'nur die' den Markt der männlichen Strumpfhosen-Fans mit einem eigenen Modell erschlossen hat. Das geht sogar soweit, dass mir vor ein paar Jahren in einer Mail von 'Falke' sinngemäß bestätigt wurde, dass an männlicher Kundschaft im Feinbereich keinerlei Interesse besteht.


Nach eigenen Anfragen und entsprechenden Rückmeldungen meiner Besucher ist den Herstellern das 'Problem' Männer und Feinstrumpfhosen zwar mittlerweile bekannt, sie sehen aber keinen Grund, darauf zu reagieren. So ein Hauch von Arroganz muss man sich leisten können.


Exklusive Herrenstrumpfhosen


Mut und den nötigen Weitblick beweist dagegen 'Gerbe'. Diese französische Edel-Marke hat gleich mehrere Feinstrumpfhosen ab einer Materialstärke von 8 Den im Angebot! Wenn diese Modelle nicht so teuer wären, könnten sie der absolute Renner werden.


Einige Hersteller haben kein Interesse an männlichen Kunden


Hier besteht noch erheblicher Nachholbedarf in Sachen Aufklärung. Denn ich gehe einmal davon aus, dass das Marketing der resistenten Hersteller die Meinung vertritt, es handelt sich dabei lediglich um ein paar Spinner, und das geht schon wieder vorbei. Andererseits verdienen sie schon heute an uns Männern, denn wir kaufen die Feinstrumpfhosen ja trotzdem. Beispiel Wolford: ich denke, dass ein sehr großer Anteil dieser Marke an Männer verkauft wird. Von diesem Standpunkt aus gesehen, besteht aus Herstellersicht natürlich kein direkter Handlungsbedarf.

Dass aber zusammen mit allen anderen Männern, die heute noch keine Feinstrumpfhosen tragen, ein ganz erhebliches Verkaufs-Potiential frei liegt, wird hierbei übersehen bzw. ignoriert. Denn wenn entsprechende Artikel angeboten werden und auch in den Herrenabteilungen zu finden sind, werden noch mehr Männer selbstverständlich auch zur Feinstrumpfhose greifen.

Diese bisherige Ignoranz lässt aber die Vermutung zu, dass viele Mitarbeiter der Marketing-Abteilungen scheinbar zu gut bezahlt werden und unfähig sind, neue Ideen und die nötige Weitsicht zu entwickeln. Oder was sonst ist der wahre Grund dafür, dass eine Käuferschicht bewusst nicht bedient wird?


Hilfestellungen


Viele der Männer, die schon heute Feinstrumpfhosen tragen, wären froh, wenn die Feinstrumpfhose für Männer auch in der Öffentlichkeit endlich als ein ganz normales Kleidungsstück angesehen würde. Auch ohne, dass es spezielle Herrenstrumpfhosen gibt. Hersteller können zwar nicht alles, aber vieles. Und mit der richtigen Unterstützung und gezielter Werbung wäre dieser Trend nicht mehr aufzuhalten.

In diesem Zusammenhang noch ein Tipp für das Marketing:
Nicht gleich das große Geld verdienen wollen. Klein anfangen und die derzeitige 'Fangemeinde' versorgen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder auch durch Nachahmer-Effekte wird der Markt von allein größer. Fürs erste würde eine extra Verpackung oder auch nur ein entsprechender Hinweis ausreichen. Eine spezielle Herrenstrumpfhose ist anfangs noch nicht mal notwendig - nur eben hochwertig sollte die Strumpfhose sein und preislich vergleichbar.

Und keine Angst, Strumpfhosen tragende Männer sind nicht zwangsläufig schwul oder sonstiges. Es besteht somit keine Gefahr für das Ansehen Ihrer Marke - Ihre Marke wird sowieso schon von Männern getragen. Die überwiegende Mehrheit dieser Männer hat die Feinstrumpfhose einfach nur als praktisches Kleidungsstück für sich entdeckt. Und genau dieses Bedürfnis gilt es auch bei den Millionen anderen Männern zu wecken. Es wird im Normalfall auch von niemandem eine Sonderbehandlung erwartet, sondern lediglich Akzeptanz (von einzelnen 'Hardlinern' mal abgesehen, die sowieso immer meckern).

D.h. ein Hersteller kann nur gewinnen, wenn er ein Herrenmodell herausbringt. Noch mehr gewinnt er, wenn er ein hochwertiges Damenmodell nimmt und es nur in eine neue Verpackung steckt - mit dem Hinweis 'natürlich auch für Männer geeignet'. Das kostet nur wenige Minuten Aufwand für das neue Layout. Die Druckmaschine macht den Rest. Ja gut, etwas Werbung würde auch nicht schaden.


Was jeder selbst tun kann ...


Gelegentlich werde ich gefragt, wie man die Hersteller etwas anstoßen könnte?

Das ist eine gute Frage. So pauschal lässt sie sich aber nicht beantworten. Meiner Meinung nach bringt es nichts, wenn nun alle 'Strumpfhosenfans' die Hersteller mit Mails bombardieren würden. Druck bringt normalerweise gar nichts und könnte auch mit ein Grund für die ablehnende Haltung sein. Überzeugen heißt die Devise!

Gelegentliche Fragen an die Herstellern können aber hilfreich sein, damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät: z.B. 'welches Modell können Sie mir empfehlen?'.

Für viel wichtiger halte ich jedoch den Kontakt zu den Fachhändlern. Sie sind es, die ständig Kontakt zu den Mitarbeitern der Hersteller haben und somit den Bedarf weitergeben können. Ohne den Kunde können die Fachhändler nicht existieren, im Gegensatz zu den direkt angestellten Mitarbeitern. Und aus diesem Grund wird auch keine vernünftige Verkäuferin einen Mann abweisen, bloß weil er eine Feinstrumpfhose für sich selbst kaufen möchte (von einem bekannten Fall in Wien abgesehen). Hilfreich ist es hierbei, wenn die Verkäuferin das feinbestrumpfte Bein sehen kann. Denn dann sieht sie direkt, das es keine Fiktion ist, sondern dass ist ein realer Bedarf vorhanden ist.

Wenn die Verkäuferin gut ist, denkt sie sogar: 'das ist mein Kunde und dem verkaufe ich nun seine persönliche Strumpfhose. Und wenn ich das gut mache, kommt er mit Sicherheit wieder. Wieder ein zahlender Kunde mehr - prima!'


Deshalb gilt grundsätzlich: selbst einkaufen gehen und vor allem ohne 'Tarnsocken'. Ein Hersteller, der die Anfragen und Bedürfnisse seiner Fachhändler ignoriert, wird auf lange Sicht gesehen 'den Kürzeren ziehen' und daran kann er nun wirklich kein Interesse haben. Im Gegenteil - sie wollen etwas verkaufen? - Dann machen sie es auch!


Herrenstrumpfhosen - sind die nötig?


Ja und Nein!



Fazit


Ein sehr großer Teil der am Markt verfügbaren Feinstrumpfhosen ist schon heute ein sehr gutes Unisex-Produkt. Nicht umsonst gibt es bereits heute schon sehr gute und auch sehr zarte (8 Den) Feinstrumpfhosen für Männer. Feinstrumpfhosen nur der Damenwelt zugestehen zu wollen, entspricht alten, verkrusteten Denkweisen und hat mit der Realität nichts zu tun.

Feinstrumpfhosen sind für Männer genauso gut geeignet, wie für Frauen. Frauen haben nur eben den Vorteil, dass sie darin meist besser aussehen. Aber wenn eine Mann seine Beine enthaart und auch sonst eine gepflegte Erscheinung ist, dann braucht er seine feinbestrumpften Beine nicht zu verstecken. Im Gegenteil, sie könnten sogar besser aussehen als so manches Damenbein.



Copyright © 2000-2011 Feinstrumpfhosen Informationen - fsh-info.de
Stand: 14. April 2011




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Aktualisiert am
22.01.2012

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