Hochgebirgsklinik Davos - Meine Erfahrungen in der Reha-Klinik

Hochgebirgsklinik Davos - Erfahrungsbericht - Bewertung meiner Reha


Hochgebirgsklinik Davos
Hochgebirgsklinik Davos am 3.10.2013

Die Aufregung und Nervosität war im Vorfeld mindestens genauso groß, wie die Vorfreude auf den Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang. Was wird einen erwarten, wie verlaufen die Tage, kann bezüglich der Krankheit geholfen werden, wie sind die Leute dort? Am 30. September begann die 'heiße Phase'. Der erste Urlaubstag, mit dem die letzten Vorbereitungen begannen. Letzte Einkäufe, ein letzter Arztbesuch, weil die Bestätigung der Reisefähikeit nicht zu alt sein durfte usw. Genauso waren noch die Winterreifen aufzuziehen, obwohl es noch um die 20°C hatte. Eine Vignette für die Autobahn war ebenfalls angesagt, denn obwohl es von Lindau durch das Rheintal bis nach Landquart eine überschaubare Entfernung ist, fährt es sich auf einer Autobahn dennoch entspannter.

Am 3. Oktober 2013 war es endlich soweit, Auto gepackt, von der Familie verabschiedet und los ging es. Das Wetter wurde zunächst immer trüber, dichter Nebel und Hochnebel machten sich breit. Keine Berge in Sicht, die meine Stimmung hätten aufhellen können. Die Unsicherheit stieg an und somit die Frage, ob das wirklich richtig war? Auf der Schweizer Autobahn mit Tempo 120 schleichen und dabei ständig von Einheimischen überholt zu werden, bestärkte meine Vermutung, dass hier hautpsächlich nur Ausländer zur Kasse gebeten werden, wenn ein Blitzer zuschlägt, aber egal. Bei Landquart ging es endlich runter von der Autobahn und die Landschaft wurde immer schöner. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter kam die Sonne immer mehr zum Vorschein, bis die Nebelobergrenze erreicht war. Endlich freie Sicht auf die Berge, von CD war Helene Fischer zu hören, womit sich meine Stimmung auch immer mehr verbesserte. Allerdings zog sich der Weg bis hinauf nach Klosters doch ganz schön.


Nachdem die Passhöhe erreicht war, wurde das Klinikgelände kurz nach dem kleinen Ort Wolfgang auf der rechten Seite sichtbar. Die Anspannung stieg wieder mächtig an, aber es war geschafft - angekommen. An der Rezeption wurde ich bereits erwartet, so wie jeder neue Patient. Nach der Anmeldung half mir ein Mitarbeiter der Klinik dabei, mein Gepäck auszuladen und auf einen Wagen zu packen. Mein Auto noch schnell umparken und auf ging es, ins Zimmer.

Puh, angekommen, geschafft. Nun hieß es warten auf die Anamnese (Eingangsuntersuchung bzw. das Aufnahmegespräch), auspacken und einrichten für die nächsten drei Wochen. Nach einer gefühlten Stunde hatte das Warten ein Ende. Der erste Arzt kam vorbei und stellte nach seiner Untersuchung irgendwie die Frage in den Raum, warum ich eigentlich hier bin? Mein Asthma hätte ich auf der Stufe 2 eingeschätzt, aber nicht eingestellt. Nach einer weiteren halben Stunde kam die Stationsschwester, um mir einen Teil der Klinik zu zeigen.


Station B1
Eingang zur Station B1 - gelbe Markierungsstreifen

Wie soll man sich hier zurecht finden, in dem riesigen Komplex? Doch sobald man seine Station verlassen hat, zeigen gelbe, blaue und rote Streifen den Weg zur Ergotherapie, zum Bad und ganz wichtig, zum Speisesaal. Doch keine Bange, irgendwann findet man sich zurecht. Suchen musste ich dennoch immer wieder. Wo ist jetzt wieder C2 ...? Zurück auf dem Zimmer, war es noch Zeit für einen kurzen Spaziergang. Nun war es schon bald Zeit für das erste Abendessen. Aber wo war das nun wieder? Die vielen Gänge und Ebenen verwirrten doch sehr.

Den Speisesaal endlich gefunden, stellte sich wieder die Frage: und nun? Tablett nehmen, Essen auswählen und Platz suchen. Eine kleinere, etwas fülligere Dame vom Küchenpersonal sah mich und kam gleich an: so geht das nicht, wie ist ihre Zimmernummer? Ahh, jeder Patient hat einen vorbestimmten Platz, muss man halt wissen. An diesem Abend war ich der einzige Neuankömmling an diesem Tisch. Zwei weitere Patientinnen an diesem Tisch hatten ihren letzten Abend vor sich.

Zurück auf dem Zimmer, lag dort ein Blatt mit Terminen für den nächsten Tag. Blutuntersuchung, Lungenfunktion, Eingangscheck, Begrüßung usw. vor dem Wochenende standen noch einige Termine an.

Apropos Tisch: am nächsten Abend war der gesamte Tisch voll mit neuen Patienten, was für den gemeinsamen Aufenthalt natürlich sehr vorteilhaft war. Es stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass wir ein geselliger und lustiger Haufen waren, der von Anderen teilweise etwas abfällig beäugt wurde.



Die Zimmer


Da es sich um eine Deutsche Klinik handelt, ist auch hier die Zweiklassenversorgung präsent. Das fängt beim Speisesaal an, Zimmer im obersten Stockwerk und geht bei der Verlängerung weiter, ein Anruf genügt. AHB-Patienten haben ebenfalls die bessere Aussicht in den oberen Stockwerken. Reha auf Widerspruch landet dagegen im untersten Stockwerk, Zufall? Wohl kaum, denn ich habe keinen anderen Patient kennengelernt, bei dem es anders war.

Davon abgesehen sind die Zimmer aber zweckmäßig, sauber und warm.


Zimmer
Das Zimmer in Richtung Ausgang bzw. Dusche (links)

Natürlich darf man nicht zu viel Komfort erwarten. Für die drei Wochen reicht es aber durchaus. Besonders interessant und immer wieder ein Thema zum Lästern ist die Lichtorgel über dem Bett. Insgesamt sechs Schalter sorgen für Verwirrung und die Frage, welcher Schalter wird benötigt, damit ich Morgends das Schlummerlicht erwische und nicht sofort die Festbeleuchtung habe.

Leider gehört ein Radio oder Fernseher nicht zur Ausstattung. Zumindest am ersten Abend war es sehr langweilig und das mitgebrachte Radio funktionierte auch nicht. Also musste unbedingt ein Fernseher her, was sich am Wochenende zunächst als unmöglich herausstellen sollte. Doch auf einmal stand nach der nächsten Rückkehr Einer im Zimmer - prima, geht doch. Der Clou: der Haussender bringt neben dem Livebild einer Webcam zusätzlich noch einen werbefreien Radiosender mit guter Musik, so dass das Teil eigentlich ständig eingeschaltet war.


Der Klinikalltag


Terminpläne bestimmen den Tagesablauf. Außer am Wochenende, da bleibt genug Zeit, die Umgebung zumindest im Rahmen der Möglichkeiten zu erkunden. Somit liegt eigentlich jeden Abend ein neuer Terminplan auf dem Bett, so dass die anfänglichen Wochenpläne spätestens ab Dienstag ungültig sind. Beim ersten Überfliegen denkt man schon, wow, bleibt da noch Luft zum Erholen? Das grenzt ja schon an Leistungssport, innerhalb von fünf Minuten von A nach B zu kommen, geschweige denn, wenn man zwischdurch noch duschen sollte, weil man zuvor auf dem Ergometer gestrampelt hat. Allerdings stellte sich heraus, dass sich die Planung sowieso täglich, wenn nicht sogar stündlich ändern konnte. D.h. einerseits gab es fast jeden Tag einen neuen Plan, und andererseits kamen auch Anrufe, so dass sich der nächste Termin direkt geändert hatte.


Insgesamt war der Terminplan für die ersten beiden Wochen derart voll gestopft, dass kaum Zeit für Erholung geblieben war. Teilweise war von früh Morgens (noch vor dem Frühstück), bis Abends zum letzten Vortrag nach dem Abendessen nur wenig Pause für einen Spaziergang, wohin andere Patienten fast keinen Termin hatten. Eine saubere Planung sieht anders aus ... Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum einige Patienten mehr Zeit mit Wandern verbringen konnten, als in der Klinik.

Besonders unangenehm waren die Visite-Termine direkt nach dem Frühstück. Hier stellte sich immer die Frage, ob man wieder rechtzeitig von der Toilette runter ist, bevor der Ärzte-Pulk hereinplatzt. Apropos Visite, Fragen sollte man sich vorher überlegen und aufschreiben. Und diese sollten auch hartnäckig gestellt und eingefordert werden, weil die Ärzte sonst schneller wieder weg sind, als man denken kann.

Interessant waren auch die vielen Vorträge der Ärzte und deren Mitarbeiter, auch wenn der Beamer mit der Zeit immer dunkler wurde. Hier konnte ich viele Hintergrundinformationen mitnehmen, auch wenn für den Alltag nur max. ein Drittel brauchbar ist. Das lag auch daran, dass sich die Themen teilweise überschnitten haben. Jedenfalls weiß ich nun, wie verengte Bronchien aussehen ;) Genauso sollte sich danach jeder mit den 5 Stufen der Asthmatherapie auskennen - auf der Stufe 5 landet hoffentlich niemand.

Wer eine Anleitung zum Entspannen sucht, findet zwei interessante Übungsgruppen im Angebot. Genauso bei Stressbewältigung. Denn oftmals kann Stress auch zu krankhaften Reaktionen (z.B. der Haut) führen, so dass man diese Sitzungen zumindest in Erwägung ziehen sollte. Allerdings führen zu viele Übungen und Termine schnell selber zum Stress. Leider brachte eine Anfrage nach der Verlegung von Terminen wenig, weil dies von meiner Russischen Stationsschwester gleich wieder als unerlaubtes Meckern geahndet wurde.


vor der Cafeteria
Vor der Cafeteria

Abwechslung - Entspannung


Im Prinzip gibt es einige Angebote zur Entspannung - geführte Wanderungen, Kreativangebote, Sport, Schwimmen usw. - man muss nur eben die Zeit dafür in seinem Terminplan finden bzw. Interesse daran haben. Einzelne Fernsehecken bieten auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Fernsehen inklusive der ungewünschten Kommentare anderer. In der Cafeteria können Spiele ausgeliehen werden, so dass einem zünftigen Romme-Abend nichts im Wege steht.

Außerhalb der Klinik ist natürlich der Rundweg um den Davoser See die erste Adresse. Diese eine Stunde wird sich jeder mehrmals gönnen - so oft es irgendwie möglich ist. Manche Patienten nehmen auch an den geführten Wanderungen teil, die nach Anforderungsgrad auswählbar sind. Hier spielt aber das eigene Wohlbefinden und das Wetter aber eine entscheidende Rolle. D.h. wer daran teilnehmen möchte, oder auch seine eigenen Wandertouren angehen möchte, sollte auf jeden Fall Wanderschuhe, Rucksack und ggf. Wanderstöcke mitnehmen.

Davoser See
Rundweg um den Davoser See am 3.10.2013

Natürlich bietet sich auch Davos selbst an, erkundet zu werden. Hilfreich ist hierbei der kostenlose Busverkehr. Sehr interessant ist auch die ebenfalls kostenlose Bahnverbindung zwischen Klosters und Filisur. Falls man am Bahnhof Wolfgang aus- oder zusteigen möchte, muss man allerdings darauf achten, dass an dieser Haltestelle nur alle zwei Stunden und nur nach Bedarf angehalten wird.


Die Ärzteversorgung


Wie es heute, nach der abgewendeten Insolvenz aussieht, kann ich nicht beurteilen. Im Oktober 2013 war sie aber noch einigermaßen gut. Wenn man akut einen Arzt benötigt hat, z.B. bei einem Anfall, war immer Einer relativ schnell da, so wie es sein muss. Dass ein Oberarzt den Messwerten mehr Beachtung schenkt, als dem tatsächlichen Wohlbefinden, zeigt allerdings auch, wie wenig feinfühlig und abgehoben einzelne Ärzte sind.

Darüber hinaus gab es nur sehr kurze Sprechzeiten, die zu allem Überfluss auch noch während der Essenszeiten stattfanden. Von der Vorstellung, ständig einen Ansprechpartner zu haben, außer der Stationsschwester, musste ich mich schnell verabschieden. Als Kommentar auf eine entsprechende Anfrage, musste ich mir von der Schwester anhören: 'Andere wären froh, wenn sie hierher kommen dürften, und Sie?'. Auf mein Widerspruch, dass ich nur Anregungen für Verbesserungen geben möchte, kam die patzige Antwort: 'Ist mir egal, die machen sowieso dicht, dann interessiert das keinen mehr ...'

Bei eingetragenen Arztterminen musste ich auch feststellen, dass die Ärzte zwar sehen können, wer wann einen Termin hat, eine Wartezeit bis zu einer Stunde war dennoch keine Seltenheit.

Von einer Spezialklinik hätte ich mir eine bessere Präsenz der Ärzte erhofft. Denn dass Ärzte wenig Zeit für einen Patienten haben, das kennt man ja von Zuhause zur Genüge. Ebenso unvollständige Untersuchungen und falsche Rückschlüsse, die auf mangelnder Erfahrung der Ärtze basieren. Das ist ja gerade mit ein Grund für eine Reha: endlich wirklich kompetente Ansprechpartner zu haben.


Davoser See
Davoser See mit Klinik (in der Mitte) am 11.10.2013

Unangenehme Untersuchungen


'Normale, einfache' Untersuchungen, wie z.B. Blutuntersuchungen oder nur ein einfaches Abhorchen usw. sind ja nicht der Rede wert. Interessanter wird es da schon bei den regelmäßigen Lungenfunktionstests. Jeder, der schon einmal einen Test gemacht hat, weiß wovon ich rede. In einer Meßkabine tief einatmen und anschließend so schnell, lang und so viel wie möglich ausatmen und gleich nochmal hinterher. Auch es einem vorher gut ging, ein anschließender starker Hustenreiz ist garantiert. Besonders schön ist es, wenn man zuvor bereits einen Asthmaanfall hatte - herrlich!

Die zweite Folter sind die Allergietests. 24 Stunden vorher die Arme und Rücken nicht eincremen, weil ansonsten der Prick-Test nicht richtig funktioniert - und das bei einer juckenden Neurodermitis - prima!

Die dritte Folter war ein Laktoseintoleranz Atemtest. Eigentlich wollte ich mich nur allgemein auf Milch testen lassen: Prick-to-Prick. Aber so kam eine hohe Konzentration von in Wasser aufgelöstem Milchzucker zum Einsatz. Die ersten beiden Atemwerte waren neutral. Danach kam der deutliche Anstieg, so dass die letzte Messung nicht mehr notwendig war. Dafür war eine Dauersitzung auf der Toilette angesagt. Die nachfolgenden zwei Wochen waren diesbezüglich sehr unangenehm. Schon kleinste Mengen an Milch führten zu starken Krämpfen, die ich so nicht kannte.


Davoser See
Neuschnee am Davoser See am 11.10.2013

Das Klima


Das Klima in Davos ist für Allergiker besonders gut geeignet. Aufgrund der Höhenlage ist es frei von Hausstaubmilben und aufgrund der besonderen Berglage soll es außerdem sehr pollenarm sein. Insgesamt wird das Klima hier als eher trocken und sonnig angegeben. Die klare Höhenluft ist einmalig und für Lungenpatienten bestens geeignet. Diese Aussage bezieht sich aber nur auf die Regionen fernab vom normalen Autoverkehr. In Davos selbst ist es gerade an wärmeren Tagen durch die vielen Autos und Baustellen sehr unangenehm.

Hervorzuheben ist die Höhe von ca. 1600 m. Zumindest bei meinem Asthma hat diese Höhe Vorteile, weil der Luftdruck auf die Bronchien niedriger zu sein scheint. Ich fühle mich einfach wohler und habe weniger Beschwerden, wenn ich mich in Höhenlagen oberhalb von ca. 1000 - 1200 m aufhalte.

Im Oktober kann man alles erleben. Sehr warme Tage, aber auch jede Menge Schnee. So war es zumindest im Oktober 2013. In der ersten Woche noch in kurzer Hose gewandert, und in der nächsten Woche Neuschnee (30 cm auf dem Auto, 20 cm auf dem noch warmen Boden).


Der Sinn einer Reha


Eine Reha sollte normalerweise dazu da sein, die eigene Leistungsfähigkeit soweit wieder herzustellen, so dass man problemlos wieder arbeiten kann. Weiterhin soll sie dabei helfen, die eigene Krankheit besser zu verstehen und den richtigen Umgang mit Hilfsmitteln (Medikamente, Atemtechnik, Bewegung usw.) zu erlernen, so dass der Alltag wieder leichter wird.

All diese Punkte werden in Davos erfüllt.

Darüber hinaus hat wahrscheinlich jeder Reha-Patient die Erwartung, dass gerade wegen der oftmals unzureichenden Ärzteversorgung bzw. wegen den Fehlern in unserem Krankenkassensystem weitergehende Untersuchungen gemacht werden. Denn wo sonst, wenn nicht in einer Spezialklinik. Es stehen einige Untersuchungen (z.B. Allergietest) und die regelmäßige Kontrolle der Lungenfunktion an, ebenso die der Entzündungswerte (hatte vorher noch nie etwas davon gehört). Genauso ist es möglich, weitere Untersuchungen, wie z.B. für die Haut, Nase usw., aber auch Laktoseintoleranz durchzuführen. Man muss die Ärzte nur darauf ansprechen, von allein gibt es keine Tests.


Die Entlassung


Nach langen drei Wochen, ich hätte gerne auch noch eine vierte Woche (endlich) zum Erholen gehabt, stand der Abschluss an. Das bedeutete zuerst noch einmal Stress. Wiegen, Inhalationshilfe zurückgeben, Ernährungsberatung, Packen, sozialärztliche Beratung, Entlassungsgespräch bei einem Arzt (bereits der Dritte): Alles bestens, obwohl sich die Entzündungswerte und der Allgemeinzustand verschlechtert hatten und der Reizhusten noch immer vorhanden war. Unterlagen gehen irgendwann an den Hausarzt, fertig. Wie bitte?

Leider hatten noch einige Folgeuntersuchungen gefehlt, ebenso wie einige Übungen. Erst eine Beschwerde im 'Kummerkasten' brachte eine Reaktion, doch am vorletzten Tag war es dafür zu spät, denn eine Verlängerung war aussichtslos.

Die teilweise saudummen Sprüche der Stationsschwester und zum Abschluss noch die pingelige Rückforderung der für mich wichtig gewordenen Inhalationshilfe, die gebraucht sowieso wahrscheinlich weggeworfen wird, brachte das Fass zum Überlaufen. Vollends gefrustet, auch weil noch ausstehende Untersuchungen nicht mehr gemacht werden konnten, war ich froh, die Klinik endlich verlassen zu können. Passend dazu goss es in Strömen. Schlechter hätte der Abschluss hier nicht ausfallen können. Dieser Tag hinterließ einen ganz faden Beigeschmack.

D.h. in Davos war vieles sehr gut und daher möchte ich die Zeit auch nicht missen. Aber es lief auch einiges völlig daneben, so dass die drei Wochen genug waren, denn es ging mir am Ende schlechter, als zu Beginn der Reha.


Parsennbahn
Parsennbahn II Weissfluhjoch am 19.10.2013

Wieder Zuhause


Natürlich fehlte nach einer so langen Zeit etwas. Der Alltag, die anderen Patienten - und die Höhenluft. Mir war am ersten Tag einfach nur zum Heulen zumute, vor allem aber auch, weil es mir schlecht ging. Der Klima- und Luftwechsel hatte sich voll auf meinen Kreislauf und Asthma durchgeschlagen. Auch weil ich mir eine neue Inhalationshilfe besorgen musste, blieb nur der Weg zum Arzt - durch die hiesigen Autoabgase, so dass sich bereits wieder Atemnot bemerkbar machte. Kurz und knapp gesagt: die ersten ein bis zwei Wochen nach Davos waren anstrengend und ich befand mich wieder auf der Stufe 3 und noch immer nicht eingestellt.


Der Facharzt


Da ich auch auf Kälte reagiere, war ich froh, bald einen Termin bei meinem Lungenfacharzt zu haben, dem ich meine akuten Beschwerden schildern konnte. Zu meinem Erstaunen lehnte er alle Erkenntnisse aus Davos ab, das sei alles mehr oder weniger Unsinn, er macht lieber seine eigene Therapie. So z.B. wenn ich Formoterol nehme, brauche ich kein Salbutamol mehr. Oder: von Alvesco bekomme ich keine Heiserkeit, meine Beschwerden sind eher Einbildung, genauso sei eine Dosis-Steigerung nicht möglich (siehe Beipackzettel - dumm nur, dass als Maximaldosis 4 Hübe angegeben ist, anstatt 1). Wieder etwas gelernt: allerdings hat er sich damit selbst disqualifiziert und gezeigt, dass er keine Ahnung hat. Kein Wunder also, dass er auch von DMP-Programmen oder Asthmaschulungen nichts hält und daher auch nicht anbietet.
Also musste ich mir einen neuen Arzt suchen.


Hochgebirgsklinik Davos
Hochgebirgsklinik Davos Haupteingang am 11.10.2013

Früchte der Reha in Davos


Nun fing der Reha-Aufenthalt in Davos endlich an, Früchte zu tragen. Die vielen Vorträge, Untersuchungen und eigene Erfahrungen konnte ich so langsam nutzen, mir meinen eigenen Medikamentenplan zusammen zu stellen. Eigenmanagement war also angesagt, mit Unterstützung meiner Hausärztin, die einmal meinte: 'besser hätte ich es auch nicht sagen können ...'.

Ob es an den neuen Medikamenten lag, am insgesamt milderen Winter, oder ob mein neues Ausdauer- und Krafttraining daran Anteil hatte, ich weiß es nicht: jedenfalls verlief der Winter zunächst mehr oder weniger schmerzfrei und ohne schwerere Atemnot.

Doch Anfang März konnte ich einer Nebenhöhlenentzündung nicht widerstehen. Die Folge war, dass sich mein Asthma schlagartig von der Stufe 2-3 auf 4-5 verschlechterte. Zwei Wochen mit schwerem Husten und Asthmaanfällen waren zu überstehen.

Doch dank einer stark erhöhten Kortison-Dosis ging es nach weiteren 4 Wochen wieder besser und zum Glück wurde es auch wärmer. Seit dem ist nun ein knappes halbes Jahr vergangen. Es gab zwar öfters eine erschwerte Athmung, vor allem bei Belastung, die mit Salbutamol aber schnell beseitigt werden konnte. Und somit stehe ich zum Glück wieder je nach Wetter einigermaßen stabil zwischen 1 und 2, allerdings dank der etwas höheren Medikamentendosis.

Bei mir lag der Erfolg von Davos nicht darin, dass es mir danach besser ging, er lag für mich viel eher darin, dass ich nun besser mit den Medikamenten (auch dank der Inhalationshilfe) umgehen kann. D.h. insofern gesehen, hat sich die Reha für mich voll und ganz gelohnt und hat das gebracht, was sie sollte: helfen.

Was sich dagegen nicht verbessert hat, ist die Empfindlichkeit gegenüber starken Düften (z.B. typisch penetrante Männerdeos), Rauch, Abgase, kalte Luft und mein Belastungsasthma. Deosprays und Dieselabgase sind der reinste Horror und gehören eigentlich verboten ...

Eine weitere Hilfe waren die verschiedenen Allergietests. Durch das Weglassen verdächtiger Lebensmittel wurde meine Neurodermitis deutlich besser.

Auch wenn nicht alles rund lief und das Personal teilweise unmotiviert war (wegen der drohenden Insolvenz, die nun kein Thema mehr ist), so steht für mich jedenfalls fest, dass ich in 2017 wieder versuchen werde, eine weitere Reha in Davos zu bekommen. Mal sehen, was sich bis dahin verändert hat.


Weitere Arztbesuche


Die Terminpläne aus Davos mit ihren Randbemerkungen haben auch einen weiteren Hinweis geliefert:
Vor einem Lungenfunktionstest sollte nach Möglichkeit 12 Stunden vorher kein Bronchialerweiterer oder Notfallspray genommen werden. Was bei Kombinationssprays aber schwierig ist. D.h. Foradil (Formoterol) alleine kann man gut auslassen, bei Foster oder Symbicort usw. (Beclometason + Formoterol) wäre es hilfreich, wenn man ein weiteres Einzelpräparat wie z.B. Ventolair (Beclometason) zur Hand hat, denn auf Kortisonspray sollte man nicht verzichten.

Genauso kann man nun leichter widersprechen oder seine eigenen Schlüsse ziehen, wenn ein Arzt mal wieder Unsinn erzählt. Natürlich möchte kein Arzt einen Widerspruch hören, denn er ist der 'Halbgott', aber hier geht es um meinen Körper.

Weiterhin ist die Erkenntniss hilfreich, falls mal wieder ein Prick-Test ansteht, dass man sich 24 Stunden vorher nicht eincremen sollte.


Noch mehr Bewegung


In Davos wollte ich natürlich auch wissen, welche Sportart oder welches Maß an Bewegung bei Asthma sinnvoll ist. Obwohl ich Fitness-Studios immer abgelehnt hatte, brachten mich die drei Termine pro Woche auf dem Ergometer zu dem Entschluss, in dieser Richtung weiter etwas zu unternehmen. Somit bin ich nun regelmäßig dabei geblieben, mit anschließender Inhalation und Entspannung in echter Sole, in Bad Dürrheim. Lohn der Arbeit: so wie Sandra in Davos bemerkte 'die kleine Wampe kann doch ruhig noch weg', Idealgewicht, relativ muskulöser Körper und das gute Gewissen, etwas für mich zu tun, auch wenn es nicht gerade billig ist.

Natürlich sind die regelmäßigen Gänge zum Sport teilweise 'eine Qual', denn in der Zeit könnte man auch vermeintlich sinnvollere Dinge tun. Aber ist dem wirklich so? Wie würde es mir heute gehen, ohne dem regelmäßigen Training?

Oder vielleicht hatte die Essensumstellung doch weniger Einfluss auf meinen Hautauschlag, sondern das regelmäßige Solewasser ist für die Verbesserung zuständig. Wer weiß ...



 


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Seite bearbeitet am 23.04.2016.


 
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