Asthma - Erkrankung der Atemwege

Asthma - Eigene Erfahrungen


Asthma ist eine Erkrankung der Atemwege, bei der sich die Bronchien verengen, verkrampfen. Durch Schleimbildung wird zusätzlich eine weitere Verengung bewirkt. Asthma gilt als Folgeerkrankung, als Etagenwechsel bei unzureichender Behandlung der oberen Atemwege - und, Asthma gilt momentan als nicht heilbar. Bei eintretender Atemnot ist meist nicht das Luft bekommen, sondern das Ausatmen verbrauchter Luft das Hauptproblem.

Es gibt verschiedene Arten von Asthma (Asthma Bronchiale). Allergisches und Intrisisches Asthma sowie Mischformen kommen am häufigsten vor. Bei mir selbst hat sich hauptsächlich das intrisische Asthma festgesetzt, d.h. ich reagiere nur im Frühjahr auf Pollen, ansonsten hauptsächlich auf Abgase, Zigarettenrauch und Düfte - und besonders auf kalte Luft. Das tückische an dieser Erkrankung ist ihre Unberechenbarkeit. Zeiten ohne Beschwerden wechseln sich mit starken Beschwerden vor allem im Winter ab. Bei Temperaturen über 10 °C klingen schon einmal viele Beschwerden ab.

Bevor ich meine Auslöser (Trigger) kannte, war es besonders hinterhältig. Auch wenn es mir gut ging, konnte ein Auslöser plötzlich und ohne Vorwarnung einen Anfall von Atemnot auslösen. Jetzt kann ich mich wenigstens teilweise darauf einstellen und versuchen, diese so gut es geht zu meiden. Das hat aber auch den Nachteil, dass ich ggf. als zu vorsichtig dargestellt werde.

Ohne Notfallspray (Salbutamol) kann und darf ich jedenfalls nicht mehr aus dem Haus gehen, weil ein Anfall bedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Ein Anfall von Atemnot kann, muss aber nicht mit einem Hustenanfall zusammen vorkommen. D.h. Asthma bedeutet nicht zwangsläufig Husten. Radfahren, Treppensteigen usw. können ein paar Tage oder auch Wochen lang vollkommen problemlos sein, und plötzlich ist wieder Atemnot vorhanden, dann geht nichts mehr. Dieser Zustand nennt sich auch Belastungs-Asthma, gegen den eigentlich Montekulast helfen sollte.


Asthma - die Zeit der Fehldiagnosen


Eine richtige Diagnose von Asthma scheint vielfach eher Glücksache zu sein, zumindest war es bei mir so. Jahrelang wird nur der Husten behandelt, ohne die Ursache zu kennen. Ein trockener Dauerhusten, unterbrochen von akutem Extremhusten, sehr vielen Nebenhöhlenentzündungen usw. wurden mit Paracetamol und evtl. Paracodein behandelt. Lungenfunktionstests mit Provokationstests, Allergietests usw. Fehlanzeige.

Nur durch Zufall gab es einmal eine Medikamentenkombination, die zwar richtig, aber falsch dosiert war. D.h. Ursache und Wirkung wurde nicht erkannt. Selbst nach einem Provokationstest mit Reizgas mit extremen Husten und Atemnot und anschließender deutlicher Erholung durch Salbutamol kam der Lungenarzt nicht auf die Diagnose Asthma.

Erst vor ca. zwei Jahren kam ein anderer Lungenfacharzt mit dem gleichen Test und zusätzlichem Allergietest zur Diagnose, die dieses Mal richtig war, aber die Medikation war noch falsch und wurde beibehalten. Auf meine Anmerkungen zu Nebenwirkungen (starke Heiserkeit) wurde auch hier nicht eingegangen. Weitere Möglichkeiten zur unterstützenden Behandlung und zum Verhalten bei einem Anfall wurden aber auch hier als nicht notwendig abgetan. D.h. von Patientenschulungen hält dieser Donaueschinger 'Facharzt' nicht viel und somit muss ich annehmen, dass er sich mit der Materie auch nicht wirklich auskennt.

Erst auf eigenes Drängen und in einer Zeit mit mehreren Anfällen konnte ich diesen Facharzt und meinen damaligen Hausarzt (Dr. H.) davon überzeugen, mich bei der Beantragung einer Reha wenigstens zu unterstützen. Vor allem der Hausarzt war sich der Tragweite von Asthma nicht bewusst. Er verschrieb lieber Psychopharmaka gegen die Angstzustände bei einem Anfall, anstatt weiter zu forschen, was für ein Depp.

Ein weiteres Problem bei meinem Asthma waren relativ starke, stumpfe Schmerzen in der Brust, die vor allem durch kalte Luft hervorgerufen werden. Man hat das Gefühl, dass jemand ständig gegen den Brustkorb drückt, als hätte man ein zu enges Korsett an. Eine Diagnose für eine mögliche Ursache gab es keine.


Asthma - eine Reha als 'Rettung'


Durch eine Reha, die auch erst nach einem Widerspruch genehmigt wurde, kam Licht in die Sache. Die Menge an Vorträgen und gezielte Fragen bei der Vistite brachte das notwendige Hintergrundwissen, dass mir erlaubte, die bisherigen Diagnosen und Schlussfolgerungen zu hinterfragen. Die Reha hatte zur Folge, dass eine wesentlich stärkere Eigenkontrolle, sowie erstmals die richtige Handhabung der Medikamente möglich war. Somit war die Erkenntniss gekommen: 'traue keinem Lungenfacharzt, der weniger als ich selbst davon versteht'.

Eine umfassende Asthmaschulung ist also für jeden 'Neuling' in dieser Krankheit unabdingbar und sollte möglichst schnell angeboten werden. Nach meiner Erfahrung sollte daher jeder Lungenspezialist dazu verpflichtet werden, mindestens einmal an einer Weiterbildung im Bereich Inhalation (z.B. bei Frau Dr. R. Johannsen) teilzunehmen. Die richtige Handhabung muss dem Patienten gezeigt werden. Nur einfach: 'ansetzen, drücken und dabei einatmen' reicht nicht aus. Diese Liste könnte natürlich noch weiter ausgedehnt werden ...

Genauso gab es endlich die Lösung für meine Heiserkeit. Genauso wurde eindeutig ein Zusammenhang zwischen den Schmerzen im Brustkorb und der Verengung der Bronchien erkannt, also als eine Begleiterscheinung bei Asthma.


Asthma selbst kontrollieren


Erst in der Reha in der Hochgebirgsklinik Davos wurde ich auf Möglichkeiten geschult, begleitende Maßnahmen zur Asthmakontrolle selbst durchzuführen. Auch wenn mir sinnvolle Maßnahmen und Trainings in Davos vorenthalten wurden, oder eine Sole-Inhalation erst gar nicht vorhanden war, so war die Gesamtmaßnahme dennoch ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Selbstkontrolle. Natürlich hätte im Vorfeld auch eine Schulung in der näheren Umgebung geholfen, aber diese Möglichkeit wurde mir vorenthalten, weil beide Ärzte nichts von DMP-Programmen halten und ohne deren Teilnahme bleiben solche Schulungen unerreichbar.

Durch die Schulungen in der Reha weiß ich nun endlich, wofür der Peak-Flow-Meter Test gut ist, welche atemerleichternden Haltungen es gibt, und wie ich meine Inhalationssprays richtig anwenden muss, usw. Also alles Dinge, die ein guter Lungenfacharzt eigentlich selber vermitteln sollte. Genauso wurde darüber aufgeklärt, welche Sportarten sinnvoll und ratsam sind.

Ich weiß nun, wie ich welches Medikament anzuwenden und zu dosieren habe - vor allem, ohne meinen Arzt vorher fragen zu müssen - denn der kennt sich damit ja nicht wirklich aus.


Sinnvolle Maßnahmen


Falls noch nicht vorhanden, sollte man seinen Arzt unbedingt nach einem Peak-Flow-Meter fragen und sich dessen Anwendung erklären lassen. Die beiliegende Anleitung selbst führt meist in die Irre und gibt keine Rückschlüsse, was die Werte bedeuten. Wichtig ist beispielsweise nicht die aufgedruckte Farbskala, sondern die eigenen erreichten Werte. D.h. in beschwerdefreien Zeiten bläst man möglichst fest und kurz in das Gerät. Nach drei Tests notiert man sich den besten Wert in einer Monatsübersicht. Dieser Test ist Morgends und Abends durchzuführen. Die erreichten Bestwerte werden als 100%-Marke definiert. Wichtig ist aber, dass bei dem Test die Zunge keine Rolle spielen darf. Denn so können fast alle Meßwerte bei 800 liegen, also unrealistisch hoch.

Unterhalb der Marke von 80% ist z.B. Vorsicht geboten und ggf. ist die Dosierung des Kortisons zu erhöhen. Evtl. sind auch Betamimetika anzuwenden (vor allem bei Schmerzen in der Brust). Einige Patienten geben auch an, dass sie mit Hilfe abfallender Meßwerte schon Tage im Voraus eine Infektion vorhersagen zu können. Von daher gesehen, sollte die Peak-Flow Messung täglich durchgeführt werden. In meine selbst erstellte Tabelle habe ich zusätzliche Felder eingefügt, in denen weitere Merkmale angekreuzt werden können. Weitere Details wie z.B. Krankheitssymptome können in dem nicht erreichten Bereichen notiert werden.

Zu beachten ist hierbei, dass der Vergleich mit den erreichten Werten anderer Patienten vollkommen ohne Aussage ist. Denn jedes Gerät ist anders und kann nur bedingt verglichen werden. D.h. ein Patient, der bei dem Gerät A 550 L/Min erreicht, kommt bei dem Gerät B evtl. nicht über 350 hinaus.

Evtl. kennen Patienten auch Heiserkeit als Nebenwirkung des Kortison-Sprays. In diesem Fall kann das sehr teure Alvesco helfen, tut es in meinem Fall aber nicht. Die einzig sinnvolle Möglichkeit, die eine deutliche Besserung gebracht hat, war der Einsatz einer Vorschaltkammer. Diese sollte unbedingt mit einer Pfeife ausgestattet sein, die bei zu schnellem Einatmen ein Signal gibt. Denn der Hauptfehler bei der Einnahme von Kortison-Spray (auch beim Notfall-Spray) ist der, dass man zu schnell einatmet. Autohaler (die Dinger lösen automatisch beim Einatmen aus) sollten vermieden werden, weil sie zum falschen Inhalieren animieren. Man atmet falsch ein, ohne es zu wissen.

Weitere begleitende Maßnahmen sind leichter Ausdauer- und Kraftsport, möglichst viele Spaziergänge und Inhalationen mit Sole.

Dass man unbedingt versuchen muss, die Trigger und Allergene zu meiden, versteht sich von selbst. Machbar ist es aber leider nicht. Denn wer auf starke Gerüche reagiert, die beispielsweise von Deosprays ausgehen können, trifft z.B. in Sportzentren leider immer wieder auf rücksichtslose Menschen, die ihre komplette Umgebung einnebeln.


Medikation einhalten


Auch wenn eine allgemeine Angst vor Kortison besteht, am inhalativen Kortison kommt man nicht vorbei (zumindest noch nicht). Nebenwirkungen sind außer Heiserkeit aber eher selten, weil die Dosierung relativ gering ist. In beschwerdefreien Zeiten sollte man das Kortison aber dennoch nicht absetzen, sondern höchstens auf ein Minimum reduzieren, weil die Entzündung der Bronchien ja hautpsächlich nur durch das Kortison zurück gegangen ist. D.h. lässt man es weg, beginnt der Husten wieder.

Wird der Husten stärker, sollte die Medikation um jeweils einen Hub erhöht werden (eskaliert) - und umgekehrt (deeskaliert). Bei extremer Verschlechterung hilft aber nur der Gang zum Facharzt. Der muss einen Termin kurzfristig zur Verfügung stellen! Also nicht abwimmeln lassen, sonst ist es unterlassene Hilfeleistung.

Genau das war beispielsweise auch bei mir das Problem. Weil sich meine Ärzte nicht mit Asthma auskannten, hatte ich mein Kortison nur genommen, wenn ich stärkeren Husten hatte, also nur nach Bedarf und notfalls auch mehrmals am Tag - also komplett falsch.

Deshalb ist es wichtig, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, um ein Verständnis für die Medikamente zu haben. Man sollte sich nicht von unfähigen Ärzten einlullen lassen.

Wenn nun der Facharzt der Meinung sein sollte, anstatt einem Notfallsray nur noch ein Betamimetikum verordnen zu müssen, so ist spätestens hier der Zeitpunkt gekommen, sich von ihm zu verabschieden. Foradil anstatt Salbutamol geht nun einmal nicht ...


Die wichtigsten Medikamente - die fünf Stufen des Asthmas


In der Asthmatherapie wurde eine Stufenpyramide definiert, die die einzelnen Schweregrade beschreibt.

In der Stufe 1 hat man sein Asthma vollständig unter Kontrolle und nur gelegentlich leichte Probleme. Kortisonspray ist nur in der niedrigsten Dosierung notwendig.

In der zweiten Stufe hat man seine Atemnot ebenfalls unter Kontrolle. Kortisonspray ist in einer niedrigen Dosierung notwendig, weil es ansonsten bereits stärkere Probleme geben könnte.

In der dritten Stufe leidet man bereits an mittelgradig schwerem Asthma mit mehreren Probmen pro Woche. Das Atmen fällt bereits relativ schwer, man hat seine Probleme zumindest zeitweise unter Kontrolle. Zum Kortison sollte zusätzlich ein Bronchialerweiterer eingenommen werden.

In der vierten Stufe leidet man unter starkem Asthma. Kortisonspray sollte zum Bronchialerweiterer höher dosiert werden. Das Asthma ist nicht wirklich unter Kontrolle und man hat trotz hoher Medikation Probleme.

In der fünften und höchsten Stufe ist das Asthma völlig außer Kontrolle. Hilfe bekommt man nur noch durch zusätzliches Kortison in Tablettenform.

D.h. bei Asthma gibt es drei wichtige Medikamente, die man kennen sollte:


  • Kortisonspray (z.B. Beclometason - Ventolair)
  • Betamimetika (Bronchialerweiterer, z.B. Formoterol - Foradil)
  • Notfallspray (z.B. Salbutamol)

Alternativ zu den beiden ersten Sprays kann man auch ein Kombinationsspray verwenden (z.B. Symbicort oder Foster). Die Dosierung ist meist niedriger als bei Einzelpräparaten.

Das Kortisonspray muss man 1-2 mal täglich inhalieren. Es wirkt bis zu 24 Stunden. Formoterol ist Morgens und Abends einzunehmen. Es wirkt ca. 12 Stunden. Das Notfallspray ist nur bei Bedarf bzw. vor einer körperlichen Anstrengung zu inhalieren. Es ist das einzige Spray, das schnell wirkt, darf aber nicht in höherer Dosis eingenommen werden, weil dies sonst Auswirkungen auf den Blutdruck hat. Kortison- und Notfallspray gehören quasi zur Grundaustattung, wobei es sinnvoll ist, mehr als nur ein Notfallspray zur Verfügung zu haben. Auch das Umfeld (Familie und Arbeitskollegen) sollte wissen, wo sich dieses Spray befindet.


Verschiedene Inhalatoren


Wichtig ist auch, dass man sich von seinem Arzt nicht irgendwelche Pulverinhalatoren andrehen lässt. Denn die Gefahr der falschen Einnahme ist gerade für Anfänger zu groß. Pulver muss man schnell, Sprays dagegen langsam einnehmen. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass der Wirkstoff nicht in der Lunge ankommt, sondern im Mund bzw. Hals hängen bleibt und dort für Probleme sorgt. D.h. Pulver ist in jedem Fall ungeeignet.

Also: ein Dosieraerosol verwenden, am besten mit Vorschaltkammer und langsam inhalieren. Nur so kommt der Wirkstoff dort hin, wo er wirken soll, nämlich tief in die Bronchien.

Sogenannte Autohaler sollen zwar das Inhalieren erleichtern, animieren aber dazu, zu schnell einzuatmen. Sie sind daher also auch nicht empfehlenswert.



 


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Seite bearbeitet am 05.01.2017.


 
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